Pflegepersonal in Gefahr

Hilferuf der Pfleger

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Pflegekräfte liegen bei den Fehltagen aufgrund von Burnout ganz vorne. Krankenpfleger und Sozialbetreuer fühlen sich von den steigenden Anforderungen ihres Berufs zunehmend überfordert und Arbeitgeber müssen hohe Ausfallkosten und personelle Engpässe stemmen.

Burnout ist ein anerkanntes Problem. Es trifft sehr viele Mitarbeiter im Pflegebereich. Laut einer Recherche der Wochenzeitung „Die ZEIT“ sind knapp ein Drittel des deutschen Pflegepersonals Burnout gefährdet. Jeder von uns hat den Wunsch, im Krankenhaus oder Pflegeheim gut versorgt zu werden. Wie kann es gelingen, den Bedürfnissen der Patienten und Bewohner gerecht zu werden, ohne die psychische Gesundheit der Pflegekräfte zu ruinieren.

An der Substanz der Pfleger zehren oft mangelnde Personalbesetzung, Zeitmangel im Alltag und emotional belastende Situationen. Dazu noch Turnusarbeit, Überstunden, Wochenend- und Feiertagsarbeit und die Bereitschaft zum kurzfristigen nicht geplanten Einsatz eines erkrankten Kollegen – da bleibt für das Privatleben und für Erholung nur wenig Zeit, weiß Maria Oberprantacher. Oberprantacher ist Pflegedirektorin der Stiftung St. Elisabeth und kennt die Problematik.

Was Burnout für die Betroffenen bedeutet

Burnout meint einen stressreichen Zustand, in dem sich die Betroffenen beruflich und/oder privat stark überlastet fühlen. Eine reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit, emotionale Erschöpfung und Zynismus sind wesentliche Burnout-Komponenten.
Psychosomatische Probleme wie Spannungskopfschmerz, Herz-Kreislaufbeschwerden und Schlafstörungen, aber auch psychische Störungen wie Depressionen zählen zu den Symptomen. Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch kann ebenfalls vorkommen.

Am Ende leiden auch Patienten und Bewohner unter dem Stress des Pflegepersonals

Wer sich ausgebrannt fühlt, kann seinen Mitmenschen gegenüber weniger Mitgefühl zeigen. Pfleger mit Burnout-Symptomen neigen dazu, pflegebedürftige Menschen gar nicht mehr als Individuen, sondern als Problemfall zu sehen. Im Extremfall führt dies sogar zur Aggression gegen Patienten, Bewohner, Angehörige oder Kollegen und wirkt stark bis in das Privatleben hinein.

„Am wichtigsten ist es, den Mitarbeitern Wertschätzung entgegenzubringen und immer ein offenes Ohr für gerade aktuelle Probleme zu haben“ Maria Oberprantacher

Gerade im Bereich der Stressprävention gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten. Vorgesetzte, Führungskräfte und Verantwortliche können sich in Seminaren Hilfe holen, um den Mitarbeitern rechtzeitig und aktive Hilfe zukommen lassen. Alarmsignale zu erkennen und die Belegschaft für den hektischen Arbeitsalltags gut zu unterstützen, sind erste Maßnahmen dem Ausgebrannt sein entgegenzuwirken. Damit der Hilferuf der Pfleger somit nicht überhört wird, müssen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen lernen frühzeitig gegenzusteuern, dann sinken die Krankenstände, vielleicht auch die Selbstmordrate. Im Gegenzug kann die Achtsamkeit in diesem Bereich die Motivation, der Teamgeist und Leistungsbereitschaft bei den Mitarbeitern enorm steigern.