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Achtsamkeit und Führung

Führungskräfte erleben sich immer öfter in stresshaften Situationen. Ausgelöst werden sie durch Komplexität und damit einhergehender Unsicherheit, sowie Zeit- und anderen Leistungsdruck. Diese Bedingungen reduzieren die Leistungsfähigkeit in einem oft nicht erkannten Ausmaß: Im Bereich der Kommunikation, der Innovations- und Risikobereitschaft,
der Offenheit für alle Aspekte der Realität, der Entschlusskraft und der Übernahme von Verantwortung. Typische Team-Workshops oder auch „Arbeitstools“ erzielen leider oft zu wenig nachhaltige Änderungen. Mitunter sind sie sogar kontraproduktiv, da sie ein „mehr desselben“ an Arbeitshektik und Stress produzieren, anstatt hilfreich zu sein.

Was ist Achtsamkeit?

In der Achtsamkeit lenken wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, genauer auf die gegenwärtige Erfahrung: Was nimmt man überhaupt wahr? Und was davon sind Gedanken und Gefühle – und also nicht Teil der Realität/Außenwelt? Welche Annahmen und Urteile und im Anschluss welche Reaktionen werden mitunter „automatisch“ ausgelöst? Wie geht man damit um? Wird zwischen Erinnern, zukünftigen Erwartungen oder Befürchtungen und dem tatsächlich Gegenwärtigen unterschieden? Dieses bewusste, klare Beobachten, dieses Selbst-Gewahrsein, kann erlernt und geübt werden, und macht den ganzen Unterschied zwischen automatisch ablaufenden Reaktionen und selbst-bewusstem Denken und Handeln aus – und damit macht es frei. Viele wertvolle Arbeits- und Führungstechniken werden erst voll wirksam, wenn sie aus der Haltung der Achtsamkeit heraus gelebt werden: Hohe Präsenz der Person, Wertschätzung der anderen, Offenheit im Denken statt Anhaften an eigene Ideen, Akzeptanz der Realität statt Verdrängung, Lust am Wandel und Fähigkeit zu Respekt und Vertrauen.

Achtsamkeit (mindfulness) im Management

Achtsamkeit im Management setzt Energie für neue Produktivität frei und wird zum Beginn für eine neue Kultur der (Zusammen-)Arbeit, in der gemeinsame Leistung und Synergie, Wandel und Innovation in einem bisher nicht möglichen Ausmaß erzielt werden kann. Und das bei höherer persönlicher Befriedigung. Durch Achtsamkeit können Führung und Management wieder auf eine „natürliche“, unmittelbare Ebene zurückgeführt werden.

„Um erfolgreich zu managen oder zu führen ist vielleicht weniger einzigartige Begabung als vielmehr emotionale Gesundheit und klarer Verstand vonnöten. Durch Achtsamkeit können Führungskräfte für beides unmittelbar selbst sorgen“ Henry Mintzberg

Durch eine Unzahl von Methoden, Techniken und Tools wurde Führung und Management mitunter zu einer mystifizierten Genie-Tätigkeit, für die es nicht genug Genies gibt. Gleichzeitig verstellen die Methoden und ihre Begriffe vielen Managern den Blick für die Realität, für das, was wirklich ist. Haben sie einmal bestimmte Methoden erlernt, elangt nur mehr das in den Fokus der Aufmerksamkeit, was diese Methoden vorgeben („Wer einen Hammer in der Hand hat, sieht nur mehr Nägel“ – dieses Sprichwort ist mittlerweile empirisch durch die moderne Hirnforschung bewiesen).

Was kann die Haltung der Achtsamkeit bewirken?

Steigerung der Fähigkeit zur Achtsamkeit trägt zu wesentlich besserer Balance zwischen den Bereichen des Rationalen und Emotionalen bei. Diese Wirkung wird durch die erhöhte Fähigkeit zur bewussten Unterscheidung zwischen Gefühlen und Gedanken erzielt. Gefühle, die bewusst als solche erfahren werden, führen nicht zu „automatischen“ Reaktionen, sondern können als Gefühle reflektiert werden ohne das Denken zu „trüben“. Achtsamkeit ist zweitens eine Schulung in der Klarheit des Denkens durch Schärfung der Wahrnehmung, größere Klarheit im Durchblick und Zurückstellung vorschneller Wertungen und Beurteilungen, sowie geringeres „Anhaften“ an den eigenen Gedanken und Ideen zugunsten einer offenen Denkhaltung.

Um was es geht:

• eine Steigerung der Wahrnehmungsfähigkeit, sowohl für Vorgänge in der Außenwelt als auch in der Person selbst
• eine spürbare Steigerung der Reflexionsfähigkeit für das eigene Denken, Empfinden und Verhalten – eine ganz wesentliche Fähigkeit für die Stärkung des Selbstvertrauens und der persönlichen Sicherheit
• offene Wahrnehmung, in der es zunächst darum geht, zu erkennen, was ist, ohne reflexartig in Bewertungen und Urteile zu verfallen
• Stärkung der Konfliktfähigkeit im Sinne des Respekts und der Fairness
• Stärkung aller Fähigkeiten, die für gute Führung und Management bedeutend sind: Zuhören, Offenheit für andere Gedanken, grundsätzlicher Respekt gegenüber anderen Menschen, Akzeptieren von dem „was ist“ als Ausgangspunkt für Handeln
• Entwicklung von Mut und Initiative
• sinnhafter Einsatz von Methoden und Tools im Management, da er auf der Grundlage eines „gesunden“ Wirklichkeitsverständnisses aufbauen kann
• Freude am Sein ganz allgemein – gleichgültig, ob die derzeitige Situation angenehm oder unangenehm sein mag.

Ursprünge der Achtsamkeits-Schulung

Schulung in Achtsamkeit (achtsames Gewahrsein) geht auf die klassische, buddhistische Meditation zurück. Ihre Grundzüge sind eine Form der Schulung unseres Bewusstseins, das Aufmerksamkeit (Wahrnehmung), Denken und Fühlen einschließt und sind losgelöst von jedweder Art religiöser Inhalte. Die moderne Hirnforschung hat in den Meditationstechniken ein breites Forschungsfeld für sich entdeckt und viele wissenschaftliche Institute zeigen durch ihre Arbeit, wie wir unser Gehirn samt Bewusstsein wesentlich besser und wirksamer nutzen können. Einen besonderen Beitrag haben Achtsamkeitsmethoden im Rahmen der Stressreduktion sowie der Schmerztherapie geliefert.

In das Management hat vor allem die Arbeit des Experten der buddhistischen Psychologie, Daniel Goleman und sein Konzept der Emotionalen Intelligenz Eingang gefunden. Immer mehr Unternehmen fördern die Schulung in meditativen Techniken und haben die Impulse erkannt, die von dieser Form der Persönlichkeitsentwicklung für innovatives und kreatives Denken, realistische und klare Urteilbildung und Entschlusskraft ausgehen. Zudem gewinnt man einen ebenso unmittelbaren und praxisorientierten Zugang zu Fragen der Ethik, die sich bislang nicht von unzulänglichen Marketingkonzepten wirklich lösen konnten, jedoch in Zukunft für Unternehmen eine ungleich bedeutendere Rolle spielen werden.